Wochenende für Gemeinden des Aufbruchs

Vom 9. bis am 10. April fand in der Kommunität Don Camillo in Montmirail ein Wochenende für Gemeinden des Aufbruchs statt. Weil gelingende Aufbrüche in der Kirche gemeinsam getragen und gestaltet werden müssen, kamen die Leute als Teams und spürten so gemeinsam der Sehnsucht nach Aufbruch nach. Insgesamt trafen sich 50 engagierte Personen aus Pfarramt, Jugendarbeit, Spitalseelsorge, Kirchenpflege und Freiwillige aus 15 Kirchgemeinden der Deutschschweiz. 

Nebst theologischen und gottesdienstlichen Impulsen stand der Austausch im Vordergrund. Das Wochenende kreiste spiralförmig um den Text aus dem 1. Korintherbrief, in dem Paulus beschreibt, wie der Leib Christi aus dem wertschätzenden und einfühlsamen oder sensiblen Miteinander von verschiedenen Gliedern besteht. Von diesem Text her wurde gemeinsam entfaltet, wie für Aufbrüche im Alltag einer Kirchgemeinde sowohl Mitte und Weite notwendig sind. Die Mitte in Jesus Christus stärkt vielfältige Perspektiven auf das Priestertum aller Gläubigen und hält die chaotischen kreativen Fäden für Netzwerke in und mit Gemeinden zusammen. Sabine Brändlin führte die Teilnehmenden ins Wochenende ein, mit Rück- und Ausblick und mit einem Grusswort des Kirchenratspräsidenten Christoph Weber-Berg. Von Sabrina Müller wurde in einem Referat dargelegt, welche atmosphärischen Bedingungen nötig sind, damit sich Kirchgemeinden entwickeln können. Ralph Kunz stellte anhand von gegenwärtigen religionssoziologischen News dar, dass der Aufbruch zum Wesen des Christentums gehört. Wenn Christus das Haupt der Gemeinde ist, hat   zur Folge, dass die, «die aufgebrochen sind,  vom Geist aufgebrochen werden müssen». 

Abbildung Heiner Schubert, Montmirail

Ein weiterer Impuls stammte von Gottfried Locher, in welchem er seiner Sehnsucht nach mutigen und klaren Kirchen nachspürte. Die Teilnahme des SEK Präsidenten zeigt, wie diese Initiative von und für Kirchgemeinden auch von Seite der Kirchenleitung Unterstützung erfährt. 

Trotz der vielfältigen theologischen Referate stand aber inhaltlich und zeitlich die Arbeit in Kirchgemeindeteams und Gruppen im Vordergrund, denn gerade durch Partizipation und kontextuelle Theologie kann eine geistliche Erneuerung vor Ort Hände und Füsse bekommen. Für das Organisationsteam war es eindrücklich mitzuerleben, wie gross die Sehnsucht nach neuem Leben in den Gemeinden von den Teilnehmenden zum Ausdruck gebracht wurden. Dies zeigte sich beispielsweise im Wunsch als Kirchgemeinde für den weiteren Weg gesegnet zu werden. Diesem Wunsch konnte nach dem Abendmahlsgottesdienst nachgekommen werden und das Angebot wurde rege genutzt. 

Organisiert wurde das Wochenende von Sabine Brändlin, Geschäftsleitungsmitglied der Aargauer Kirche und Ratsmitglied des Kirchenbundes, Ralph Kunz, Professor für Praktische Theologie an der Universität Zürich, Sabrina Müller, Habilitandin am Zentrum für Kirchenentwicklung der Universität Zürich, Heiner Schubert, Mitglied der Communität Don Camillo und Walter Dürr, Direktor des Studienzentrums für Glaube und Gesellschaft der Universität Fribourg. 

Das grosse Interesse am Wochenende und die Rückmeldungen der Teilnehmenden zeigen, wie wichtig nicht nur strukturelle Reformen, sondern eine theologische Neuausrichtung und eine Entfaltung des geistlichen Lebens in Kirchgemeinden ist. Kirchgemeinden sind angewiesen auf echte Anteilnahme und Ermutigung, auf Austausch von geistlichen, theologischen und methodischen Ressourcen und auf ein grosszügiges, fehlerfreundliches und gemeinschaftliches Klima. So endete das Wochenende nicht nur mit einem Segen, sondern auch mit vielen Ideen, wie der Aufbruch weitergestaltet werden könnte.