Rückblick Vanhoozer Tagung vom 24. März 2017

Gemeinsam mit der AfbeT (Arbeitsgemeinschaft für biblisch erneuerte Theologie), dem theologischen Seminar Chrischona (http://tsc.education/home.html und der Staatsunabhängigen theologischen Hochschule Basel organisierte das Studienzentrum für Glaube und Gesellschaft eine dreitägige Veranstaltung zum Thema "The Drama of Theology" mit Prof. Kevin Vanhoozer als Hauptreferent.  

Dabei hatte das Studienzentrum für Glaube und Gesellschaft am Freitag die organisatorische Hauptverantwortung gemeinsam mit dem Lehrstuhl für Neues Testament der Universität Fribourg. 

An diesem Freitag beschäftigte uns die Frage nach einer gewinnbringenden und ehrlichen Hermeneutik der Bibel. Neben den spannenden Vorträgen von Prof. Kevin Vanhoozer zu einer trinitarischen Hermeneutik und der Frage nach der Autorität der Heiligen Schrift als Einheitsprinzip und ob ein solches noch gelten kann nach der internen Ausdifferenzierung der Protestantischen Glaubensrichtung, war besonders der Dialog mit den Schweizer Professoren sehr anregend. Die Rückfragen und Bestätigungen von Prof. em. Ulrich Luz sowie die Reaktionen von Prof. Benjamin Schliesser und Prof. Rainer Hirsch-Luipold im Podium waren interessant und forderten Prof. Vanhoozer zu Antworten heraus. 

Vanhoozer betrachtet die Welt des Textes und die Welt über und unter dem Text. Die Welt, in welche der Text eingebettet ist, weist nach Vanhoozer zutiefst trinitarische Strukturen, welche innerhalb von Kommunikationsvorgängen sichtbar werden. Die Welt des Textes selbst muss mit dem Text mitgedacht werden und hat zutiefst mit Leben zu tun. Das Leben des Rezipienten wird durch den Text verändert, indem die Interpretation dieses Textes performativ geschieht. Für Vanhoozer geht es darum, dass sich die Leser in das Theodrama (von welchem der Text zeugt) hineinbegeben und in interpretativer Kreativität dieses Drama ausleben.

In seinem zweiten Referat behandelte Vanhoozer die Frage nach der Interpretation der Bibel nach der Reformation. Dabei betonte er, dass die Vier Solis (solus Christus, sola gratia, sola scriptura und sola fide) auf keinen Fall exklusiv gesehen werden dürfen, sondern dass diese einen hermeneutischen Rahmen bilden, in dem eine gelungene Bibelauslegung geschehen kann. Zudem bedeute sola scriptura auf keinen Fall den Verzicht auf eine Lesegemeinschaft, welche gemeinsam diese Schrift interpretiert. Die Heilige Schrift ist eine Autorität, aber nicht die Einzige. 

Nach Vanhoozers Vorträgen gab es die Möglichkeit, in einem von drei Seminaren das Gehörte weiter zu vertiefen und gemeinsam über das Vorgehen von Vanhoozer zu diskutieren. Eine Podiumsdiskussion mit Prof. em. Ulrich Luz, Prof. Benjamin Schliesser und Prof. Rainer Hirsch-Luipold mit anschliessender Antwort von Prof. Vanhoozer rundete die Tagung ab. 

Mit über 60 Teilnehmenden wurden unsere Erwartungen bei weitem übertroffen. Das grosse Interesse bestätigte uns die Relevanz der Frage nach einer gewinnbringenden und ehrlichen Hermeneutik!